Grosse Erfahrung verabschiedet

2. Juli 2026
Die Gemeinde und die Schule danken Doris Ries, Mirjam van Haaften, Andrea Rusch, Gabi Nussbaumer, Renate Wirth und Judith Schlumpf für ihre Treue und Tätigkeit. Sie treten die Pension an.

«Es war mir früh klar, dass ich mich der Handarbeit widme», sagt Doris Ries. Sie habe einst die klassische Ausbildung absolviert, für Handarbeit, Hauswirtschaft und Turnen. Nach ersten Stellen im Kanton St.Gallen und einer familienbedingten Pause stieg sie 2000 mit Stellvertretungen in Herisau ein, im Wilen und Waisenhaus. Es folgte der Wechsel ins Schulhaus Langelen, wo sie mit einem Pensum von etwa 50 Prozent angestellt war. Die Schülerinnen und Schüler von der 2. bis 6. Klasse zu begleiten, sie im Handwerklichen und Kreativen zu fördern, sei ein schöner Prozess. Die leistungsmässige «Schere» gehe allerdings auch im Werken früh auf. Im Januar feierte sie den 64. Geburtstag, nun hört sie «pünktlich» auf. Es sei ihr wichtig, zuerst einmal in der Pension anzukommen: mit vermehrtem Hüten der Enkel, mit Gartenarbeiten. «Wenn mein Mann auch das Pensionsalter erreicht hat, möchten wir reisen gehen.»

Erlebnispädagogisch gearbeitet

Mirjam van Haaften hat während neun Jahren in Waldstatt an der Mittelstufe unterrichtet. Nach einer Familienpause wurde sie Teil der Leitung einer christlichen Schule. 2008 begann ihre Zeit in der Schule Herisau, unter anderem mit einer Aufgabe in DaZ (Deutsch als Zweitsprache) und als Teamteaching-Lehrperson. Während vielen Jahren unterrichtete sie im Schulhaus Langelen DaZ, mehrheitlich in den 1./2. Klassen an zwei Nachmittagen. «Dazu kamen auch sporadische Einzeleinsätze.» Es sei ihr wichtig, erlebnispädagogisch zu arbeiten und integrativ zu wirken. «Eltern mit im Boot zu haben, ist hilfreich. Wenn ich mit der Mutter und dem Kind etwas koche, mit einem Vater und dem Kind am Bach barfuss gehe, ist die Wirkung nachhaltiger.» Der DaZ-Unterricht sei immer auch darauf ausgerichtet, den ausländischen Familien die hiesige Kultur näherzubringen. Mit der Pensionierung möchte die 63-Jährige noch mehr Zeit in die Arbeit mit Familien investieren – meist ehrenamtlich. «Und es ist nun eher möglich, zu reisen.»

«Wunderschön gelegen»

Auch Andrea Rusch tritt die Pension an. Nach den ersten Anstellungen in anderen Gemeinden war die Kindergärtnerin seit dem März 2006 im Saum tätig. «Dieses Schulhaus ist wunderschön gelegen und ländlich geprägt.» Viele Kinder kämen aus der Landwirtschaft, was ihr gefalle. Man sei im Saum wie eine Familie, erzählt sie. Deshalb sei auch nie ein Thema gewesen, den Kindergarten zu wechseln, fügt sie an. Mitte September feiert sie den 64. Geburtstag. Aber es wäre nicht sinnvoll gewesen, während des Schuljahres aufzuhören, sagt sie. Deshalb beginnt ihre Pension ein paar Monate vorzeitig. Sie freue sich darauf. Konkrete grosse Pläne hat sie (noch) keine. Ihr Partner sei auf einer Alp tätig, da werde sie nun noch häufiger mithelfen, sagt Andrea Rusch. «Umgebungsarbeiten zuhause stehen ebenfalls an. Ich möchte zudem Kollegschaften vertieft pflegen und Traktor-Touren unternehmen.»

Enge Beziehung zu DaZ-Kindern

Gabi Nussbaumer hat einst sieben Jahre an der Primarschule in Wolfhalden und Rehetobel unterrichtet. Nach einem familiär bedingten Unterbruch kehrte sie in Herisau in die Schule zurück – über die Klasse von einem ihrer Kinder. «Ich habe dem damaligen Schulleiter gesagt, mein Herz schlage immer noch für die Schule.» Das Ziel sei keine Stelle als Klassenlehrperson gewesen, es ergab sich 2008 eine Möglichkeit, im DaZ (Deutsch als Zweitsprache) einzusteigen. Gabi Nussbaumer war fast ausschliesslich in der Müli tätig. Die Beziehung mit den DaZ-Kindern sei sehr eng. Das habe ihr gefallen. Sie unterrichtete vor allem Schülerinnen und Schüler der 1./2. Klasse. Ab und zu wurde sie zur Förderung von einzelnen älteren Kindern eingesetzt. Meist betrug ihr Pensum vier bis acht Wochenlektionen. «Ich freue mich nun auf das Ungewisse», sagt die 65-Jährige. Grosse Pläne und Projekte seien nicht im Kopf – mit Ausnahme einer Reise mit ihrem Mann Richtung Norwegen.

«Alltag selber gestalten»

Renate Wirth ist im Kanton Schwyz aufgewachsen und hat das Handarbeitslehrerinnen-Seminar absolviert. Sie besuchte die Kunstgewerbeschule mit den Fächern Bildhauerei und Malerei, unterrichtete in Obwalden und Nidwalden. «Textiles Werken, Zeichnen, Holz: Die kreative Arbeit gefällt mir sehr.» 2014 kam sie nach Herisau, für ein zunächst kleines Pensum in die Müli. Bald wurde das Schulhaus Wilen Renate Wirths schulische «Heimat». Die Schülerinnen und Schüler von der 2. bis zur 6. Klasse zu begleiten, habe ihr sehr zugesagt, erzählt die noch nicht 64-Jährige. Sie tritt ihre Pension etwas vorzeitig an. «Ich freue mich darauf, dass ich selber den Alltag gestalten kann. Aber ich weiss, dass der Abschied von den Kindern etwas emotional wird.» Die eigene Kreativität habe sie in den vergangenen Jahren in die Schule investiert. Nun werde sie Zeit haben, wieder eigene Projekte und Arbeiten in Angriff zu nehmen. Und sie wird ihre Nachfolgerin fachlich betreuen.

Einst als Drogistin in Herisau

Judith Schlumpf hat schon früher in Herisau gearbeitet: Als Drogistin war sie einst im Reformhaus an der Oberdorfstrasse tätig. Es folgten das Studium der Sozialpädagogik und die Arbeit in stationären Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Nach der Zusatzausbildung zur Systemberaterin war sie in der Schulsozialarbeit (SSA) der Stadt St.Gallen tätig – und seit 2017 in Herisau. «Die Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und den familiären Kontext wachsen, die Fragestellungen ans System Schule werden komplexer», sagt die 64-Jährige. Konflikte, Ängste und Sorgen, Suchtprobleme, Mobbing, familiäre Schwierigkeiten sind ein paar Themen, bei denen die SSA Unterstützung anbietet. In ihrer Arbeit sei immer das Kindeswohl im Mittelpunkt gestanden. Sie nehme viele wertvolle Erfahrungen mit, dafür sei sie dankbar. «Es ist nun der richtige Zeitpunkt, zu gehen.» Sie sei aber keine, die schon Pläne für die beginnende Zeit der Pensionierung geschmiedet habe.

Die sechs Neupensionierten: von links Andrea Rusch, Doris Ries, Gabi Nussbaumer, Mirjam van Haaften, Judith Schlumpf und Renate Wirth.
Die sechs Neupensionierten: von links Andrea Rusch, Doris Ries, Gabi Nussbaumer, Mirjam van Haaften, Judith Schlumpf und Renate Wirth.