Das Schreiben gab ihm Struktur

24. September 2026
Der ehemalige Herisauer Lehrer und Schulleiter Marcel Hartmann las in der Bibliothek aus seinem Buch «Schneesperling».

«Wir sind überwältigt vom Aufmarsch», meinte Franziska Tschumi, die Leiterin der Bibliothek Herisau, bei der Begrüssung. Rund 40 Personen hatten sich am Mittwochvormittag für die Lesung «Schneesperling» des Herisauers Marcel Hartmann eingefunden. «Dass heute drei Kollegen hier sind, die ich seit 50 Jahren nicht mehr gesehen habe, freut mich besonders», sagte der Autor. Er gab während einer Stunde eindrückliche und sehr persönliche Einblicke in seine Kindheit, in sein Leben, in Momente von extremem Schmerz und von Trost.

In seinem Buch wechseln sich drei Ebenen ab. Da sind erstens die frühen Erlebnisse in seiner Kindheit. Zweitens schildert Hartmann tiefe Erinnerungen an sein psychisches Tief im Jahre 2019. Und drittens schreibt er Briefe an seinen (verstorbenen) Grossvater. Die Erlebnisse des Franco im Buch sind seine eigenen, die Briefe aber fiktiv.

«Andere haben Ähnliches erlebt»

«Das Schreiben hat über Jahre hinweg meinem Alltag Struktur gegeben», sagte Marcel Hartmann. Nach seinem Zusammenbruch und einem Therapieaufenthalt beendete er seine Tätigkeit als Schulleiter. «Als ich begonnen habe, zu schreiben, war es nicht mein Ziel, ein Buch herauszugeben. Ich wollte einfach meiner Frau und meinen drei Söhnen etwas hinterlassen.» Dass der Orte-Verlag dann Interesse zeigte und das Verlagshuus Herisau sein autobiografisches Werk im Frühling veröffentlichte, freute ihn. Besonders auffällig ist die detailreiche, fein ausgearbeitete Sprache – mit sehr präzisen Adjektiven. Das Schreiben sei für ihn geistige Nahrung gewesen. Er wisse, dass er mit seiner Geschichte nicht allein sei. «Andere haben Ähnliches erlebt.»

Marcel Hartmann las aus seinem Buch vor und erzählte viel Persönliches.
Marcel Hartmann las aus seinem Buch vor und erzählte viel Persönliches.